Laktoseintoleranz Schnelltest: Schweizer ForscherInnen entdecken neue Methode zur Feststellung von Milchunverträglichkeit

Nur gerade einmal rund 33% der erwachsenen Menschen können Milchprodukte verdauen. Die restlichen 66% der Erwachsenen auf diesem Planeten bekommen etwa 2 Stunden nach dem Genuss von Milch, Butter und Rahm in Produkten Bauchschmerzen, Blähungen oder gar Durchfall. Der Bauch "spinnt", es gurgelt wie in einer Waschmaschine. Dies, weil der Körper das für den Stoffwechsel erforderliche Enzym nach Beendigung der Kindheit nicht mehr produziert: die Laktase. Nur wissen das die meisten nicht. Nun haben ForscherInnen von Agroscope und dem Universitätsspital Lausanne (CHUV) herausgefunden, wie man Laktase im menschlichen Körper nachweist und damit feststellt ob der Organismus Laktose verdauen kann. Die neue Methode ist für die Patentierung angemeldet und es ist sogar an ein Schnelltest möglich, der allen KonsumentInnen rasch anzeigt: Vertrage ich Milchprodukte, oder nicht.

Agroscope und das CHUV haben im Rahmen einer vor kurzem im American Journal of Clinical Nutrition publizierten Studie neue Erkenntnisse zur Laktoseverdaulichkeit im Körper entdeckt. Guy Vergères, Leiter der Forschungsgruppe Funktionelle Ernährungsbiologie bei Agroscope, und seine KollegInnen vom CHUV, François Pralong und Nathalie Vionnet, leiteten die Forschungsarbeiten in einem gemeinsamen Projekt.

Genetische Mutation erlaubt 33% der Menschen Milch auch als Erwachsene zu trinken

Eigentlich können nur Kinder Milch verdauen. Das ist beim Menschen und bei den Säugetieren so. Doch die Wissenschaft vermutet, dass 10’000 Jahre vor unserer Zeitrechnung Hirtenvölker begannen die Milch ihrer Tiere zu konsumieren und so dann im Verlaufe der Zeit irgendwie von einer genetischen Mutation profitiert haben sollen: Sie behielten die Fähigkeit, Laktase zu produzieren, das Enzym, das für die Verdauung der Laktose im Körper verantwortlich ist. Wie gesagt verschwindet diese Fähigkeit normalerweise nach der Kindheit, wenn der Mensch in die Pubertät kommt. Heutzutage kann durchschnittlich bloss ein Drittel der erwachsenen Weltbevölkerung im Körper Laktase produzieren. Weltweit gibt es jedoch beträchtliche Unterschiede: während zum Beispiel 96% der dänischen Bevölkerung Laktose verdauen können, in der Schweiz immerhin noch 80%, so sind es in China 15% und im restlichen Asien und auch Afrika oft noch weniger.

"Geschmacksverstärker": Viele Fertigprodukte und Gewürzmischungen enthalten Laktose

Es gibt gerade im gelobten Land Schweiz, wo Milch und Rahm fliessen, viele Menschen, die Milch konsumieren und nicht wissen, dass sie diese gar nicht verdauen können. Sie leiden rund 2 Stunden nach dem Genuss von Milchprodukten unter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und anderen Magenbeschwerden. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Fertigprodukten und Gewürzmischungen Geschmacksverstärker hinzugefügt werden, was meist nichts anderes als Laktose ist, die den (billigen) Zutaten einen edlen cremigen, rahmigen Geschmack gibt. Ganz nach Grossmutters Regel: Eine rechte Portion Butter und Rahm verfeinert jede Speise - sorgt aber für anschliessendes Bauchweh und mehr oder weniger unterdrückte Fürze von 20% der Gäste.

Galactitol und Galactonat: zwei neue Biomarker

Um herauszufinden, ob der Organismus Milchprodukte verdauen kann, setzten Agroscope und das CHUV moderne Methoden der Metabolomik ein, die es ermöglichen, zahlreiche Moleküle in unserem Stoffwechsel anhand der Masse zu identifizieren. In Blut- und Urinproben von den vierzehn Studienteilnehmenden, die Laktose konsumiert hatten, wies das Forscherteam zwei neue Substanzen nach: das Galactitol und das Galactonat. Dies sind Derivate von Galaktose, einem Kohlenhydrat, das im Dünndarm mittels Laktase aus Laktose produziert wird. Mit anderen Worten, Galactitol und Galactonat sind zwei neue Biomarker für Laktaseaktivität: mit Hilfe dieser Moleküle lässt sich Laktase im menschlichen Körper nachweisen.

Laktose-Intoleranz Schnelltest: Interessante Möglichkeiten für die Zukunft

Die Entdeckung des Forscherteams aus Bern und Lausanne leistet einen wichtigen Beitrag zur Ernährungsforschung und erlaubte die Anmeldung eines Patents. Die neue Methode ermöglicht es, die Laktaseaktivität des Körpers direkt zu untersuchen anstatt sie aufgrund der genetischen Anlagen eines Individuums oder anhand von Symptomen wie Verdauungsbeschwerden zu beurteilen.

Für die Zukunft zeichnen sich zwei konkrete Anwendungsbereiche ab: Zum einen könnte die Methode neben anderen bestehenden klinischen Tests zur Diagnose von Verdauungsstörungen infolge Laktosekonsum eingesetzt werden. Zum anderen könnte sie in Form eines Schnelltests einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Anhand dieses Tests kann der Konsument oder die Konsumentin mit Gewissheit überprüfen, ob sein Körper Milch verdauen kann oder nicht.

Publikation

Nathalie Vionnet, Linda H Münger, Carola Freiburghaus, Kathryn J Burton, Grégory Pimentel, François P Pralong, René Badertscher, Guy Vergères; Assessment of lactase activity in humans by measurement of galactitol and galactonate in serum and urine after milk intake, The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 109, Issue 2, 1 February 2019, Pages 470–477, https://doi.org/10.1093/ajcn/nqy296

Quelle: Agroscope, Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft

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Serienjunkie
Cool ich freu mich schon!
Templer_01
Ich komme jetzt langsam in das Alter wo man bewußt zunimmt um die Falten zu straffen....
Daddy Cool
Schönen Muttertag! Aber ich freu mich schon auf den Vatertag

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