68 Prozent JA für Abzocker-Initiative! 1,6 Millionen Schweizer stimmten für Minder!

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Thomas Minder: Bescheidener Winkelried der Moderne

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Die Schweiz hat genug von Abzocker und seit gestern eines der schärfsten Aktionärsrechte! An der Abstimmung vom Wochenende stimmten 68 Prozent, das sind mehr als 1,6 Millionen Schweizer, für die Initiative des Trybol-Chefs Thomas Minder. Und das gegen die stetige Empfehlung des Bundesrates und des Parlamentes, gegen die Wirtschaftsverbände wie EconomieSuisse und gegen so Schwergewichte wie Peter Spuhler, der im Thurgau von jeder Plakatwand gegen die Abzocker-Initiative warb. Sogar die SVP fiel Minder, nach anfänglicher Unterstützung, in den Rücken. Es half ihnen alles nichts, das Volk sagte überdeutlich JA und schloss den Abzocker mit einem der strengsten Aktionärsrechten der Welt den Selbstbedienungsladen!

Während bei den durschnittlichen Angestellten gespart wird, wo es nur geht, optimierte Betriebsabläufe, und das Nicht-Ersetzen von Abgängen der Belegschaft das Maximum herausquetschen, füllen sich in der Teppichetage die Manager mit vollen Händen die Taschen. Es geht dort schon nicht mehr um Tausender, sondern um Millionen.

Der Vasella-Effekt

Wie zum Beispiel Daniel Vasella, der nun zeitlebens statt als langjähriger Chef der Novartis, als Abzocker par excellence in den Geschichtsbüchern stehen wird. Vasella, der nicht etwa Inhaber von Novartis war, sondern nur Angestellter, wollte als Abschiedsgeschenk 72 Millionen Franken aus der Betriebskasse nehmen, nachdem er während seines Anstellungsverhältnisses einen geschätzten Lohn von über 300 Millionen Franken bezogen hatte. Ein Jahresgehalt von 40 Millionen. Das sind  125’000 Franken pro Arbeitstag!

Unten bei den Arbeiter werden mit eiserner Hand Stellen gestrichen, bei gleich viel Arbeit muss jede und jeder bis zum Burnout mehr arbeiten. Das spart ein paar tausend Franken, die dem Management oben dafür beidhändig nachgeworfen werden.

Thomas Minder, Winkelried der Moderne – 1,6 Millionen Schweizer stimmten für ihn

Die Wut kocht dem Volk im Blut und so stimmten unglaublich deutlich mit 68 Prozent  1’615’720 Personen für die Abzocker-Initiative. Das ist ein Dankeschön für Thomas Minder, der mit Engagement und Ausdauer die Abzocker-Initiative vertreten hatte. Auch nachdem das Parlament die Initiative 5 Jahre lang verschleppt hatte und sie zudem noch mit einem Gegenvorschlag entkräften wollte. Die Gegner sprachen nie von „Abzocker-“ sondern immer von der Minder-Initiative und wollte das Volksbegehren an einer Person, an Minder, festmachen. Man kämpfte nicht gegen die Abzocker, sondern man kämpfte gegen Minder.

Das war ihnen vermutlich zum Verhängnis geworden, denn Thomas Minder ist einfach sympathisch! Man glaubt und man traut dem Mann, der selbst nach seinem kolossalen Triumph bescheiden bleibt. Er vertritt Schweizer Werte wie Standhaftigkeit, ja und etwas Trutzigkeit. „Gring ache u seckle“, sagt man hier, und hält durch, weil man an die Sache glaubt, auch wenn es mal schwer wird. Dieses Charisma und diese Verbissenheit eines Einzelnen, der sich mit den ganz grossen des Polit-Showbusiness anlegte, fanden die Stimmbürger wohl so sympathisch, zusätzlich zur Notwendigkeit, der Abzockerei einen Riegel zu schieben.

Im Herbst kommt 1:12 Initiaitve – würden Sie für 3,3 Millionen im Monat Büros staubsaugen?

Der Bundesrat muss nun innerhalb eines Jahres die Forderungen der Abzocker-Initiative umsetzen, dazu verpflichtet ihn die Übergangsbestimmung. 

Im Herbst wird zudem die 1:12 Initiative zur Abstimmung kommen, die fordert, dass die Cheffin oder der Chef einer Firma höchstens 12 mal mehr verdient als die Mitarbeiter mit den geringsten Löhnen. Bezieht also der nächste CEO von Novartis auch jährlich 40 Millionen wie Daniel Vasella bis jetzt, müsste ein Reinigungsmann oder eine Verpackerin in der Spedition, monatlich 3,3 Millionen Franken erhalten. Das wäre nicht schlecht oder? 

 

Das sind die angenommenen Punkte gegen Abzockerei. Sie gilt für im Inland oder Ausland kotierten Schweizer Aktiengesellschaften:

  1. Abstimmung der GV über die Gesamtsumme aller Vergütungen des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates
  2. Jährliche Einzelwahl der Mitglieder des Verwaltungsrates
  3. Jährliche Wahl des Verwaltungsratspräsidenten
  4. Jährliche Einzelwahl der Mitglieder des Vergütungsausschusses
  5. Jährliche Wahl des unabhängigen Stimmrechtsvertreters
  6. Keine Organstimmrechtsvertretung
  7. Keine Depotstimmrechtsvertretung
  8. Elektronische Fernabstimmung
  9. Stimmzwang der Pensionskassen im Interesse ihrer Versicherten
  10. Transparenz der Pensionskassen: Offenlegung, wie sie gestimmt haben
  11. Statuten: Erfolgs- und Beteiligungspläne der VR- und GL-Mitglieder
  12. Statuten: Anzahl externer Mandate der VR- und GL-Mitglieder
  13. Statuten: Höhe der Renten der VR- und GL-Mitglieder
  14. Statuten: Höhe der Kredite der VR- und GL-Mitglieder
  15. Statuten: Höhe der Darlehen der VR- und GL-Mitglieder
  16. Statuten: Dauer der Arbeitsverträge der GL-Mitglieder
  17. Keine Abgangs- oder andere Entschädigungen an VR- und GL-Mitglieder beim Austritt
  18. Keine Vorauszahlungen an VR- und GL-Mitglieder
  19. Keine Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen an VR- und GL-Mitglieder
  20. Keine Mehrfach-Arbeitsverträge für VR- und GL-Mitglieder
  21. Keine Delegation der Gesellschaftsführung an eine andere Firma
  22. Strafbestimmung: Freiheitsstrafe (bis 3 Jahre) und Geldstrafe (bis 6 Jahresvergütungen)

 

Quelle: Abzockerinitiativeja.ch
Bild: © www.Trybol.ch – Thomas Minder

 

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