Aram Hovhannisyan gewinnt überragend den Kompositionswettbewerb des Musikfestivals Bern 2011

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Der Sieger des vom Musikfestival Bern ausgeschriebenen Kompositions-Wettbewerbs heisst Aram Hovhannisyan. Sein Werk „Klänge der verwüsteten Täler II“ überzeugte die Jury derart, dass anstelle des zweiten, zwei dritte Preise verliehen wurden.

In einer ersten Runde hatte die Jury unter Leitung von Michel Roth aus den zahlreich eingegangenen Arbeiten acht Werkkonzepte zur weiteren Ausarbeitung ausgewählt. Die daraus entstandenen Kompositionen studierte sie im Frühling 2011 eingehend. Sowohl mit der Auswahl wie mit der Reihenfolge der drei Hauptpreise war sich die Jury gemäss Mitteilung des Jury-Präsidenten rasch einig. Der erste Preis gewinnt die Komposition „Klänge der verwüsteten Täler II“ des 27-jährigen in seiner Heimatstadt Yerevan und in Genf ausgebildeten armenischen Musikers Aram Hovhannisyan.

Künstlerisch eindrückliches, ausgereiftes Siegerstück

Die Jury honoriert damit ein ihrer Meinung nach künstlerisch wie handwerklich sehr ausgereiftes Stück, das sich mit sicherem Formgefühl entlang einer feinen dramaturgischen Linie entwickelt, die dank raffinierter Klangmischungen und polyphon überlagerter Bewegungsformen immer wieder eine perspektivische Tiefe gewinnt. Die sehr sauber ausgearbeitete und gut ausgehörte Partitur interpretiert das Thema „Fluchtwege“ fast ohne aussermusikalische Referenz, sondern aus einem elementar musikgestalterischen Ansatz, der die Jury gerade wegen des spürbar grossen Vertrauens in die eigene Sinnhaftigkeit klanglicher Strukturen besonders überzeugte.

Zwei dritte Preise

Um die herausragende Qualität des erstprämierten Werks im Wettbewerbsresultat adäquat abzubilden, beschloss die Jury, den zweiten und dritten Preis ex aequo als zwei entsprechend leicht höher dotierte dritte Preise zu vergeben. Diese gehen an Ulrike Mayer-Spohn und Leonardo Idrobo Arce.

Ulrike Mayer-Spohns Werk „Art.20-FW“ setzt eine gute Idee mit kompositorischer Strenge, ja Hartnäckigkeit um und nimmt dafür eine formale Enge in Kauf, die jedoch durch eine sensibel ausgehörte präzise Ausarbeitung ausgeglichen wird. Die Jury war gespannt, wie die feine Ironie zwischen dieser rigorosen Anlage und dem Thema „Fluchtwege“ beim Hören wirksam wird und gerade so dem Werk eine besondere Qualität verleiht.

Leonardo Idrobo Arces Komposition „FAUX“ setzt das Thema „Flucht“ inhaltlich sehr differenziert und unter Aufgebot vielfältiger Gestaltungsmittel um. Die Jury diskutierte besonders den Charakterzug der einfachen theatralischen Geste, welche die ansonsten hochartifiziellen Texturen wohltuend aufbrechen.

Das Ensemble VERTIGO brachte alle acht Final-Kompositionen letztes Wochenende mit Erfolg zur Aufführung und zeigte damit die grosse stilistische und ästhetische Breite des Wettbewerbs auf.

Die Jury: Michel Roth (Vorsitzender), Valentin Marti, Javier Hagen

Legende Bild: v.l.n.r.  Ulrike Mayer-Spohn, Leonardo Arce Idrobo, Aram Hovhannisyan (Foto Ute Schendel)

Quelle: Musikfestival Bern – Bild: Die drei Preisträger – Fotografin: Ute Schendel

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