Oh HappyDay! Am 20. März war Internationaler Tag des Glücks - Exklusiv-Interview mit Glücksforscher Prof. Dr. Mathias Binswanger

Am 20. März 2014, war offiziell "Internationaler Tag des Glücks" und somit praktisch der "HappyTimes-Day" schlechthin! Aus diesem Anlass hatten wir ein Exklusiv-Interview mit dem Schweizer Ökonomen und Glücksforscher Prof. Dr. Mathias Binswanger geführt, der unter anderem auch Autor des Buches "Die Tretmühlen des Glücks" ist:

HappyTimes: Lieber Herr Binswanger, bevor wir ins Detail gehen, wie definiert die Glücksforschung Glück und mit welchen Aspekten von Glück beschäftigen Sie sich? Gibt es eine Abgrenzung zur Zufriedenheit?

Dr. Prof. Mathias Binswanger: Die Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen ist nicht exakt und nicht in allen Sprachen gleich. Grundsätzlich lassen sich aber zwei Komponenten unterscheiden. Auf der einen Seite die Lebenszufriedenheit, welche sich aus einer selbstanalytischen Betrachtung ergibt. Dabei werden typischerweise Fragen gestellt wie: Wenn Sie Ihr Leben betrachten, würden Sie dann sagen, dass sie mit diesem Leben „sehr zufrieden“, „zufrieden“ oder „unzufrieden“ sind? Die zweite Komponente ist das emotionale Wohlbefinden, für welches häufig auch das Wort „Glück“ verwendet wird. Dieses schwankt sehr stark im Tagesablauf. Wenn ich Hunger habe und dann etwas esse, bin ich kurzfristig glücklich. Kurz darauf stecke ich dann im Stau und bin wieder unglücklich.

Auch wenn die Glücksforschung noch relativ jung ist, kann man dennoch sagen, inwieweit sich Glück oder das Verständnis von Glück in den vergangenen 50 Jahren verändert hat?

Grundsätzlich nicht. Es sind genau dieselben Dinge, welche Menschen heute glücklich machen. Nur war Glück vor 50 Jahren noch kein grosses Thema, da es noch mehr um den materiellen Wohlstand ging.

Es heisst, dass 50 % des Glücks in unseren Genen liegt. Was bedeutet das für den Einzelnen? Ist Glück für manche nur schwer erreichbar?

Manche Menschen starten mit einem gewissen Handicap und es ist für sie etwas schwieriger glücklich zu sein. Aber auch sie haben die anderen 50 Prozent in der Hand und können ihr Lebensglück verbessern.

Sie selber haben in einem früheren Interview einmal gesagt, sie seien „glücklich unverheiratet.“ Albert Schweitzer hingegen sagte: „Das Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Fehlt Singles ein Stück vom Glück, oder wie wichtig ist eine Partnerschaft für das eigene Empfinden von Zufriedenheit und Glück?

Singles sind im Schnitt weder glücklicher noch unglücklicher als verheiratete Menschen oder solche, die in einer Partnerschaft leben. Generell gilt aber, dass Einsamkeit unglücklich macht. Der Mensch ist grundsätzlich ein Herdentier und nicht ein einsamer Tiger im Dschungel. Man kann aber auch in einer Ehe oder Partnerschaft sehr einsam sein. Wichtig ist, dass man ein gutes Sozialleben hat, egal ob als Single oder Teil einer Partnerschaft.

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für das Empfinden von Glück? Welchen Stellenwert haben Beruf, soziales Umfeld oder auch das Land in dem man lebt?

Das soziale Umfeld hat einen grossen Einfluss und ebenso auch die Arbeitszufriedenheit. Wer Tag für Tag einer Arbeit nachgehen muss, die er oder sie nicht mag, ist sicher nicht glücklich. Und auch das Land spielt gemäss empirischen Untersuchungen eine gewisse Rolle. Relativ wenig glücklich sind Menschen in Ländern des ehemaligen Ostblocks und relativ glücklich sind sie in lateinamerikanischen Ländern. Es scheint also so etwas zu geben, wie einen „Ostblock-Melancholiefaktor“ und umgekehrt einen „Latin Happiness Faktor“.

Könnten Sie drei konkrete Tipps geben, mit denen man ein glücklicherer/ zufriedenerer Mensch werden kann, bzw. welche Strategien sollte man anwenden?

Hier sind drei Strategien aus meinem Buch „Die Tretmühlen des Glücks:

  1. Wahl des richtigen Teiches!
    Karl Marx hat einmal gesagt: „Ein Haus kann gross oder klein sein. Solange die Häuser in der Nachbarschaft genauso klein sind, ist es vollkommen ausreichend. Wenn aber neben einem kleinen Haus ein Palast entsteht, wird das kleine Haus zur Hütte.“ Wir müssen uns den richtigen Teich suchen, wo wir grosse Frösche in einem kleinen Teich, statt kleine Frösche in einem grossen Teich sind.
  2. Attraktives Sozialleben statt Anhäufung materieller Güter!
    Ein intaktes Sozialleben ist wichtig für Glück und Zufriedenheit. Häufig überschätzen wir das mit Einkommen und dem Kauf von materiellen Gütern verbundene Glück und unterschätzen gleichzeitig das Glück aufgrund des Zusammenseins mit den Menschen, die für unser Sozialleben von Bedeutung sind.
  3. Nicht immer nach dem Besten suchen!
    In unserer Multioptionsgesellschaft wird die optimale Wahl von Produkten und Aktivitäten immer mehr zur Qual. Wer immer die beste Wahl treffen will, erkennt bald, dass er auf verlorenem Posten steht. Untersuchungen zeigen, dass die realistische Suche nach „gut genug“ besser ist als die meist utopische Suche nach „dem Besten“, die uns ständig überfordert.

Wie sieht es im globalen Massstab aus? Wo leben die glücklichsten Menschen und was können wir von ihnen lernen?

Die glücklichsten Menschen leben immer wieder woanders, je nach Umfrage. Es braucht sicher einen gewissen materiellen Wohlstand, geringe Arbeitslosigkeit, ein funktionierendes Sozialleben und nicht zu viel Stress.

Somit bietet die Schweiz ja ideale Voraussetzungen um rundum glücklich zu leben! Herzlichen Dank für das Interview!

 

Glücksforscher Dr. Prof. Mathias Binswanger:

 

Quelle: Das Interview führte für HappyTimes die eDarling-Redaktion
Bild1: cc_Patrizia-Tilly-www.Fotolia.com
Bild2: © eDarling-Redaktion

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